Burnout-Syndrom


Das Burnout-Syndrom betrifft allein in Deutschland schätzungsweise 10 bis 15 Millionen Menschen und kann daher mittlerweile als Volkskrankheit bezeichnet werden. Ein Burnout-Patient befindet sich im Zustand extremer emotionaler Erschöpfung und verfügt nur über eine deutliche reduzierte (körperliche und geistige) Leistungsfähigkeit. Das Burnout-Syndrom ist der Endzustand eines langen Entwicklungsprozess. Es kommt also nicht plötzlich dazu, dass sich Menschen ausgebrannt fühlen und unter Burn-Out leiden. Die Entwicklungslinie beginnt oftmals mit idealistischer Begeisterung und über frustrierende Erlebnisse, kommt es langsam immer mehr zu Desillusionierung und Apathie. Psychosomatische Erkrankungen sind oft die Folge, dazu gesellen sich Depressionen, Aggressivität und eine erhöhte Suchtgefahr. Aber nicht jeder Burnout-Patient hat den gleichen Erkrankungsverlauf und auch nicht die gleichen Symptome. Ebenso können nahezu alle sozialen Gruppen betroffen sein – von Schülern über Forscher bis hin zu Arbeitslosen und Rentnern.


Geschichte/Begriffsentwicklung
Das englische Wort burnout stellte ursprünglich einen rein technischen Terminus dar und heißt so viel wie ausgebrannt oder ausbrennen. Auf den Menschen und seine Gesundheit bezogen lassen sich aber auch noch andere Bedeutungen ableiten: feel burned out heißt so viel wie sich erschöpft fühlen und burn oneself out heißt sich kaputt zu machen, sich völlig zu verausgaben. Der Burnout-Patient ist also der ausgebrannte Mensch, dessen inneres Feuer im Laufe der Zeit, auf Grund von zu wenig „Brennstoffzufuhr“ erloschen ist.
Das Burnout-Syndrom ist aber nicht neu. Paine weist darauf hin, dass laut den Herausgebern der Merriam-Webster`s Dictionaries schon in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhundert Burnout ein Thema in den Bereichen des Profisports und der darstellenden Künste war. Die erste Erwähnung des Burnout als ein psychologisches Phänomen, fand im Jahr 1974 von dem Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger statt.
Freudenberger war deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker. In seiner Erstbeschreibung ging es insbesondere um das Burnout-Syndrom von medizinischen Fachberufen wie Ärzten, Rettungsdienstpersonal und Krankenpflegeberufen aber auch Lehrern, Sozialarbeitern und Erziehern. Diese Berufsgruppen haben grundsätzlich eine relativ hohe Krankschreibungsrate, sind häufig arbeitsunfähig und werden früh verrentet. Ursachen sind eine extrem hohe Arbeitsbelastung in Verbindung mit einem ausgeprägten persönlichen Engagement – das so genannte Helfersyndrom. Diese Kombination führt bei vielen Menschen zum „Ausbrennen.
Das Burnout-Syndrom wurde zu einem allgemein bekannten Begriff, weil es als Managerkrankheit bekannt wurde und immer wieder Prominente als ausgebrannt beschrieben wurden und diese Informationen in die Medien gelangten. Inzwischen sind die Begriffe um Burnout weithin allgemein bekannt und von der Medizin und Psychologie anerkannt. Immer mehr Menschen sind ausgebrannt und leiden unter dem Burnout-Syndrom

Definition
Das Burnout-Syndrom bezeichnet einen massiven geistigen, seelischen und körperlichen Erschöpfungszustand. Er betrifft insbesondere Menschen, die ihre Kraftreserven ständig ein ums andere mal aufbrauchen, ohne die Möglichkeit, diese in ausreichendem Maße wieder aufzufüllen. Betroffen davon sind vor allem Angehörige sozialer und helfender Berufe. Also Lehrer, Erzieher, Ärzte- und Heilpraktiker, Pflegekräfte auch im Angehörigenkreis, sowie leitende Positionen mit hohem Verantwortungspotential. Vom Burnout sind oft auch Ehrenämtler und andere sozial engagierte Menschen betroffen. Ursachen können neben der beruflichen Überforderung auch hohe Verantwortung bei gleichzeitig schlechter Bezahlung, Angst vor Arbeitsplatzverlust und Mobbing sein.

Phasen des Burnout-Syndrom
Burnout ist immer als ein Prozess zu verstehen, den man in Phasen unterteilen kann. Es gibt allerdings nicht den typischen Verlauf des Burnouts. So wurden zahlreiche Phasentheorien entwickelt, unter anderem von Herbert Freudenberger, Lauderdale, Jerry Edelwich, Christina Maslach, Stevan Hobfoll und Cary Cherniss. Freudenberger und Lauderdale haben überwiegend Fälle aus der Wirtschaft betrachtet, während sich J. Edlewich, C. Maslach, und C. Cherniss mit solchen aus helfenden Berufen befasst haben. Hobfoll geht auf beide Gruppen ein.

Nach Freudenberger:
Hier wird eine Entwicklung von einem empfindsamen zu einem empfindungslosen Stadium beschrieben.
empfindsames Stadium: Negative Gefühle werden nicht beachtet, ein hoher Energieeinsatz zum Erreichen gewohnter Leistungen aufgebracht und chronische Müdigkeit verdrängt.
• empfindungsloses Stadium: es treten Symptome wie Gleichgültigkeit, Schuldzuschreibungen an die Umwelt, Angst nicht anerkannt zu sein und Desorientierung auf.

Freudenberger betrachtet Burnout als einen Zustand der Erschöpfung und Frustration, verursacht durch unrealistische Erwartungen. Er definiert Burnout als ein Energieverschleiß, eine Erschöpfung aufgrund von Überforderungen, die von innen oder von außen – durch Familie, Arbeit, Freunde, Liebhaber, Wertesysteme oder die Gesellschaft- kommen kann und einer Person Energie, Bewältigungsmechanismen und innere Kraft raubt. Burnout ist ein Gefühlszustand, der begleitet ist von übermäßigem Stress, und der schließlich persönliche Motivationen, Einstellungen und Verhalten beeinträchtigt.


Nach Lauderdale:
Lauderdale beschreibt einen Weg von der Verwirrung über die Frustration zur Verzweiflung:
Verwirrung: In diesem Anfangsstadium hat der Patient das grundlegende Gefühl, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Begleitend treten gelegentliche grundlose Angst und beginnende körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen etc. auf.
• Frustration: In diesem fortgeschrittenen Stadium machen sich Gefühle wie Ärger, Unzufriedenheit, Gereiztheit und das Gefühl ausgenutzt und betrogen zu werden breit. Es folgt oft eine Flucht, z. B. durch einen Arbeitsplatzwechsel, oder die Flucht in Drogen, Medikamente, … Die körperlichen Beschwerden verstärken sich zunehmend.
• Verzweiflung: Gefühle von Sinnlosigkeit, Versagen, Misstrauen treten verstärkt auf. Es kommt zu schneller Erschöpfung, das Leben wird so weit es geht mechanisiert, der Patient zieht sich zurück und fällt in Apathie.

Nach Edelwich:

Auch bei dieser Theorie wird ein Prozess über mehrere Phasen hinweg erläutert:
idealistische Begeisterung, verbunden mit Selbstüberschätzung, hohem Energieeinsatz sowie Überidentifizierung mit der Arbeit und den Klienten
• Stillstand nach ersten Enttäuschungen
• Orientierung hin zu eigenen Bedürfnissen in der Arbeit, z. B. zur Karriere
• Frustration, die von der Erfahrung eigener Erfolg- und Machtlosigkeit sowie Problemen mit der Bürokratie und der scheinbar mangelnden Anerkennung durch die Klienten ausgelöst wird
• körperliche Beschwerden, Essprobleme und Drogenkonsum
• Apathie und Verzweiflung
• fallspezifische Intervention

Edelwich und Brodsky verwenden den Begriff Burnout um einen zunehmenden Verlust von Idealismus und Energie zu beschreiben, den die in den helfenden Berufen Beschäftigten als Folge der Arbeitsbedingungen erfahren. Diesen Verlust an Energie und Engagement sehen sie als Folge einer Desillusionierung, nach einem Prozess der stufenweisen Enttäuschung.

Nach Maslach:
Diese Theorie gliedert den Krankheitsablauf in folgende Phasen:
emotionale und physische Erschöpfung
• Rückzug: Der Erschöpfung folgen negative Gefühle gegenüber anderen, wie Kollegen, Patienten, Klienten, etc., aber auch gegen sich selbst. Es kommt zu Dehumanisierung und Zynismus und der Betroffene zieht sich verstärkt zurück. Die Arbeit wird auf das Notwendigste reduziert, Veränderungen und Probleme gemieden.
• In einem terminalen Stadium verstärkt sich der Widerwillen gegen andere und sich selbst und ein Gefühl reduzierter Leistungsfähigkeit entsteht.

Schaufeli und Maslach definieren Burnout wie folgt: Burnout ist ein dauerhafter, arbeitsbezogener Seelenzustand normaler Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung, einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber dann unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlanpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst Aufrecht. Schaufeli und Maslach betonen in ihren Ausarbeitungen, dass die Ursachen von Burnout im Wesentlichen nicht in den Persönlichkeitszügen der Betroffenen, sondern in den wirksamen und strukturellen Merkmalen von ungünstigem Umfeld bei der Arbeit liegen. Drei weitere Komponenten beeinflussen den Verlauf von Burnout: emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte persönliche Leistung. Zu den Faktoren, die die Entstehung des Burnout begünstigen, zählen Maslach und Schaufeli beispielsweise:
Mangel an positivem Feedback
Fokussierung auf Klientenprobleme
Gehäufte chronische und schwer zu beeinflussende Probleme
Normen eines guten Helferverhaltens
Übertriebene Involviertheit
Hierarchieprobleme
Administrative Zwänge
Schlechte Teamarbeit
Druck von Vorgesetzten
Schlechte Arbeitsorganisation
Mangelnde Ressourcen (Personal, Finanzmittel)
Problematische institutionelle Vorgaben und Strukturen

Maslach und Jackson sehen Burnout verursacht durch stresshafte Interaktionen und unterscheiden in ihrem Erklärungskonzept drei Dimensionen des Burnout: Emotionale Erschöpfung bezieht sich auf Gefühle, durch seinen Kontakt mit anderen Menschen emotional überanstrengt und ausgelaugt zu sein. Depersonalisierung bezieht sich auf eine gefühllose und abgestumpfte Reaktion auf diese Leute, die gewöhnlich die Empfänger seiner Dienste oder Fürsorge sind. Reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit bezieht sich auf eine Abnahme seines Gefühls an Kompetenz und erfolgreicher Ausführung in seiner Arbeit mit Menschen.

Nach Cherniss:
Cherniss zeigt folgende drei Phasen auf:
Die vorrangige Ursache ist Stress im Beruf, da die Anforderungen dort die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen übersteigen.
• Daraufhin kommt es zu einem Stillstand, bei dem sich Gefühle wie Angst, Spannung, Reizbarkeit und Erschöpfung breitmachen.
• Es folgen defensive Bewältigungsversuche durch emotionale Abkoppelung, Rückzug und Zynismus.

Als individuelle burnout-verursachende Faktoren hebt Cherniss neben einem Sinnverlust, vor allem die Bedeutung von unrealistischen Erwartungen hervor. Die Vertreter der für die Allgemeinheit tätigen Berufe (helfende- und pflegende Berufe) begannen im allgemeinen ihre Karriere mit hohen Zielen und Erwartungen. Die Lehrer hofften, jeden Schüler zu erreichen und glaubten, dass das ein angemessenes Ziel sei. Berufstätige im psychologisch-psychiatrischen Feld glaubten, jedem ihrer Klienten Sympathie zeigen und bei jedem eine sichtbare Veränderung bewirken zu müssen. Vorübergehende Linderung wurde als unzureichend betrachtet. Aber eines der ersten Dinge, die sich angesichts von Stress und hoher Anspannung änderten, waren die besonders hohen Ziele der Berufsanfänger. Cherniss hat sich im Gegensatz zu anderen Autoren relativ ausführlich mit den gesellschaftlichen und historischen Ursachen des Burnout auseinandergesetzt. Er vertritt die Meinung: Burnout war möglicherweise immer schon ein Problem im helfenden Bereich, aber verschiedene Veränderungen im sozialen und politischen Klima des Landes machten den Leuten das Problem stärker bewusst und ließen sie stärker auf Verbesserungsmaßnahmen insistieren.
Cherniss begründet Burnout mit dem Zusammenwirken von arbeitsbezogenem Stress und defensiven Copingstrategien. Er geht von allgemeinen Anforderungen oder Arbeitsstressoren aus, welche im Sinne des transaktionalen Stress-Konzeptes von Lazarus und Folkman (1984), die Bewältigungsmöglichkeiten sowie die Ressourcen übersteigen und damit die Entwicklung von Burnout fördern können. Dies bedeutet, dass die Helfenden nicht mehr in der Lage sind dem erlebten Stress durch aktive Bewältigung zu begegnen, was dazu führt, dass sie viel Energie benötigen, die dann wiederum den Klienten an emotionaler Zuwendung verloren geht. Die Helfenden wenden sich von ihren Klienten ab und es beginnt ein Prozess der Entemotionalisierung in der Helfer-Klient Beziehung.

Nach Hobfoll:
Hobfoll beschreibt die Entwicklung von Ressourcenverlusten im Kontext der Burnout-Symptomatik nach Maslach, sagt aber keine Auftretensreihenfolge der drei Burnout-Komponenten vorher, sondern postuliert, dass die Existenz einer Komponente die Auftretenswahrscheinlichkeit der beiden anderen erhöht. Im Rahmen der Theorie der Ressourcenerhaltung sehen Hobfoll und Buchwald den Verlauf des Burnouts als einen Prozess, bei dem bestehende Ressourcen durch eine permanente Arbeitsbelastung schneller aufgebraucht als ersetzt werden können. Anfängliche Ressourcenverluste können in eine Spirale fortschreitender Verluste münden. Verlustspiralen entstehen vor allem bei Menschen, denen es bereits in der Ausgangssituation an adäquaten Ressourcen mangelt. Im Unterschied zu extremen Stressereignissen, bei denen man rasante Ressourcenverlustspiralen beobachten kann, findet beim Burnout ein eher langsames, aber stetiges Versiegen von multiplen Ressourcen statt. Dieses allmähliche, oft kaum merkliche Verrinnen der Ressourcen im Laufe des Arbeitsprozesses ist ein schleichender Prozess, der jedoch im Endeffekt der Wirkung von extremem Stress kaum nachsteht.


Burisch beschreibt Burnout als einen Zustand innerer Erschöpfung, welcher in jedem Beruf auftreten kann. Er versucht die verschiedenen Ansätze auf einer allgemeinen Ebene zu integrieren und sieht Burnout in Gang gesetzt durch Autonomieeinbußen in gestörten Auseinandersetzungen des Individuums mit seiner Umwelt, genauer: durch die innere Repräsentation solcher Interaktionen als gestörter und das Scheitern bei ihrer Bewältigung.
Arsons, Pines und Kaffrey erweitern diese Ausführung zum Burnout und erklären das Ausbrennen als das Resultat andauernder oder wiederholter emotionaler Belastung im Zusammenhang mit langfristigem, intensivem Einsatz für andere Menschen: Das Ausbrennen ist die schmerzliche Erkenntnis (von Helfern), dass sie diesen Menschen nicht mehr helfen können, dass sie nicht mehr zu geben haben und sich völlig verausgabt haben.
Die Autoren und Burnout-Experten Arsons, Pines und Kaffrey unterscheiden in ihrem Konzept zwischen Überdruss sowie Burn-out. Die beiden Diagnosen haben ähnliche Symptome, jedoch unterschiedliche Ursachen. Während Burn-out aus chronischer Belastung entsteht, wird Überdruss auf berufliche Ursachen zurückgeführt, wie zum Beispiel Bürokratie. Die Hauptursachen für Burn-out sind nach Arsons, Pines und Kaffrey zu hoch gesteckte Erwartungen und Ziele und lang andauernder Stress. Die Betroffenen setzen sich intensiv für andere ein und bekommen dafür wenig bis gar kein positives Feedback. Folglich definieren Arsons, Pines und Kaffrey den Burn-out als eine körperliche, geistige und emotionale Erschöpfung, welche durch emotionalen Stress verursacht wird.

Merkmale/Symptome und Auswirkungen
Das Burnout-Syndrom führt zu vielen verschiedenen Beschwerden (Symptome). Nicht alle Symptome des kommen bei allen Patienten vor. Die meisten Experten beschränken sich darauf, Burnout in ihren Definitionen mit Hilfe einer Auflistung dessen Symptome zu beschreiben. Das Symptombild geht jedoch weit über diese Aufzählungen hinaus. Grundsätzlich kann es im Rahmen des Burnout-Syndroms zu psychischen und physischen Beschwerden kommen. Einen besonders anschaulichen Versuch einer Systematisierung der Burnout-Symptome kann man in der Klassifikation von Schaufeli (1992) betrachten.
Psychische Symptome

Emotional:
großer Widerstand täglich zur Arbeit zu gehen
Gefühle des Versagens, Ärgers und Widerwillens
Schuldgefühle
Entmutigung und Gleichgültigkeit
Misstrauen und paranoide Vorstellungen
Frustration

Kognitiv:
Rigidität im Denken und Widerstand gegen Veränderungen
Projektionen
Konzentrationsstörungen

Motorisch:
 nervöse Ticks
 Verspannungen

Physische Symptome
Psychosomatische Beschwerden:
tägliche Gefühle von Müdigkeit und Erschöpfung
große Müdigkeit nach dem Arbeiten
Schlafstörungen
sexuelle Probleme

Erkrankungen

häufige Erkältungen und Grippe
häufige Kopfschmerzen
Magen-Darm-Beschwerden

Physiologische Reaktionen
erhöhter Herzschlag
erhöhter Pulsfreq.
erhöhter Cholesterinspiegel

Symptome auf der Verhaltensebene
Individuelle Verhaltensweisen:
exzessiver Drogengebrauch, Tabakgenuss, Alkoholkonsum und/oder Kaffeekonsum
erhöhte Aggressivität

Verhalten in der Arbeit:
häufiges Fehlen am Arbeitsplatz
längere Pausen
verminderte Effizienz

Soziale Symptome
Im Umgang mit Klienten:
Verlust von positiven Gefühlen den Klienten gegenüber
Verschieben von Klientenkontakten
Widerstand gegen Anrufe und Besuche von Klienten
Unfähigkeit sich auf Klienten zu konzentrieren oder ihnen zuzuhören

Im Umgang mit Kollegen:
Isolierung und Rückzug
Vermeidung von Arbeitsdiskussionen mit Kollegen

Außerhalb der Arbeit:
 Ehe- und Familienprobleme
 Einsamkeit

Problematische Einstellung Im Umgang mit Klienten:
Stereotypisierung von Klienten
Zynismus
schwarzer Humor
verminderte Empathie
Demonstration von Machtlosigkeit

In der Arbeit/ Einrichtung:
negative Arbeitseinstellung
Desillusionierung
Verlust von Idealismus

Die charakteristischen Merkmale sind eine körperliche und emotionale Erschöpfung, anhaltende physische und psychische Leistungs- und Antriebsschwäche, sowie der Verlust der Fähigkeit, sich zu erholen. Ebenso ist eine zynische, abweisende Grundstimmung gegenüber Kollegen, Klienten und der eigenen Arbeit festzustellen. Burnout ist nicht nur ein persönliches Problem des Betroffenen, sondern gefährdet aufgrund seiner „ansteckenden“ Natur das berufliche Umfeld. Auch wenn sich die Krankheitshäufigkeit (Prävalenz) des Burnout-Syndroms noch nicht feststellen lässt, wird eine allgemeine Steigerung des Burnout-Risikos aufgrund sich verändernder Lebens- und Arbeitsbedingungen erwartet.

Stadien
Der Beginn einer Burnout-Krise erscheint also erst einmal positiv. Viele Burn-out-Betroffene gelten in der Tat als aktiv, dynamisch, zupackend, ideenreich, engagiert bzw. überengagiert: vermehrter Einsatz, freiwillige Mehrarbeit, (subjektiver) Eindruck der eigenen Unentbehrlichkeit, das Gefühl, eigentlich nie mehr richtig Zeit zu haben, damit wachsende Verleugnung eigener Bedürfnisse. Und vielleicht sogar eine heimlich zunehmende Beschränkung zwischenmenschlicher Kontakte, und zwar von außen nach innen: Arbeitskollegen, Nachbarn, Bekannte, Freunde, Verwandte, enge Angehörige, Partner. Oft findet sich auch die zwiespältige Fähigkeit, zumindest aber der Versuch, Misserfolge und Enttäuschungen einfach nicht wahrnehmen zu wollen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Mit anderen Worten: Viele jener an sich guten Eigenschaften stellen sich bei näherer Betrachtung als Fußangeln, wenn nicht gar als Fallgruben heraus.
Nach und nach wird das (Über-)Engagement auch durch eine sich langsam, aber unerbittlich ausbreitende Erschöpfungsphase gleichsam ausgebremst: Jetzt drohen verminderte Belastbarkeit, wachsende Stimmungslabilität und vor allem eine bisher nicht gekannte Erholungsunfähigkeit ("komme nicht mehr auf die Füße"). Auch eine sonderbare und vor allem zunehmende Infektanfälligkeit gehört dazu, meist ständige banale Erkältungen und Grippeinfekten. Die Betroffenen werden müde, z. B. im Sinne einer eigenartigen, alles durchdringenden Mattigkeit (wie sie nebenbei das höhere Lebensalter generell kennzeichnet), in Fachkreisen auch als Tagesmüdigkeit oder chronische Müdigkeit bezeichnet. Am Ende drohen sogar rasche Erschöpfbarkeit und schließlich regelrechte Kraftlosigkeit. Dazu kommt ein sonderbares Phänomen, nämlich "müde, matt und abgeschlagen" nach außen, innerlich aber unruhig, nervös und gespannt, mitunter sogar reizbar und gelegentlich aggressiv. So etwas hat man früher sehr treffend als "reizbare Schwäche" bezeichnet.
Das Ganze mündet schließlich in einen Endzustand, der durch Resignation, Entmutigung, verringerte Frustrationstoleranz, leichte Kränkbarkeit, Niedergeschlagenheit, schließlich sogar durch Minderwertigkeits- und Versagensgefühle gekennzeichnet ist. Die Sichtweise der Betroffenen wird schwernehmend, pessimistisch, ja von Negativismus oder Fatalismus geprägt. Man erkennt diese Menschen angesichts ihres früheren Auftretens kaum wieder.
Problematisch ist, dass sich das Burnout-Syndrom nicht ankündigt. Vielmehr schleicht es sich quasi durch die Hintertüre in das Leben der Betroffenen. Allenfalls lässt sich feststellen, dass die Betroffenen immer weniger Zeit haben und nutzen, um ihre sozialen Kontakte zu pflegen. Ansonsten verläuft das Krankheitsbild in drei aufeinander folgenden Stadien:
Stadium 1:
Die Erkrankung beschränkt sich zunächst auf einen ständigen Wechsel zwischen Überaktivität und völliger Erschöpfung. Zumeist werden die Warnsignale überhört. Die Betroffenen investieren weiterhin ein Maximum an Energie in ihre Aufgaben, ohne sich eine ausreichende Regeneration zu leisten. Der Umgangston gegenüber Untergebenen und Kollegen lässt mitunter in zunehmendem Maße zu Wünschen übrig.
Stadium 2:
In dieser Phase beginnt der Kranke zunehmend abzustumpfen. Er zieht sich mehr und mehr zurück und kapselt sich ein. Resignation beginnt sich breitzumachen. In dieser Phase kündigt sich bereits ein Motivationsverlust an, welcher überleitet zu
Burnout-Stadium 3:
In diesem Station beginnen die Leistungen mehr und mehr zurückzugehen. Der Kranke isoliert sich zusehends. Das fehlende positive Feedback infolge seines Leistungsverlustes treibt ihn zusehends tiefer in die Isolation und damit in einen Teufelskreis, aus dem es aus Sicht des Betroffenen kein Entrinnen zu geben scheint.

Verlauf
Ein Spruch sagt: „Nur jemand, der einmal entflammt war, kann auch ausbrennen!“ (Pines, Aronson & Kafry, 1985)
vermehrtes Engagement für bestimmte Ziele
man arbeitet nahezu pausenlos
verzichtet auf Erholungs- oder Entspannungsphasen
fühlt sich unentbehrlich und vollkommen
um das darzustellen, entwerten Betroffene häufig andere Teammitglieder
und machen sich so bei Kollegen unbeliebt
 der Beruf wird zum hauptsächlichen Lebensinhalt
 Hyperaktivität
Nichtbeachten eigener Bedürfnisse
Verdrängen von Misserfolgen
Beschränkung sozialer Kontakte auf einen Bereich, zum Beispiel die Kunden,
Partnervernachlässigung
 Erschöpfung
chronische Müdigkeit
Suche von Ablenkung und Trost in Alkohol, Tabak, Internet- und
Computeraktivitäten, vielem Essen oder häufigerem Geschlechtsverkehr
 Konzentrationsschwäche
 Schlafstörungen
 Drehschwindel
 Angstzustände, Depressionen

Reduziertes Engagement:
Die völlige Hinwendung zu einem Bereich, z. B. zum Klienten in der Arbeit, kann nach einiger Zeit genau das Gegenteil hervorrufen, nämlich den Rückzug.
Folgende auffallende Merkmale sind zu beobachten:
 der Betroffene verliert die positiven Gefühle gegenüber dem Klienten
 Stereotypisierung
 Distanzbedürfnis und Meidung von Kontakten
Schuldzuweisungen an andere (aggressives Verhalten) und an sich selber
(depressives Verhalten)
verstärkte Akzeptanz von Kontrollmitteln, Strafen, Medikamenten, Alkohol
negative Einstellung und Vernachlässigung der Arbeit
verstärkter Rückzug von Problemen mit anderen, oder von der Familie, den
Partnern, Freunden etc., da auch in anderen Bereichen Reden und Zuhören
zum Problem wird
der Betroffene stellt erhöhte Ansprüche an sein Umfeld und hat häufig das
Gefühl, ausgenutzt und nicht genug anerkannt zu werden.

Schuldzuweisungen als emotionale Reaktion:
Emotionale Reaktionen sind das Produkt „emotionaler Produktion“ und nicht notwendigerweise irrational, müssen aber auch auf der emotionalen Ebene verstanden und angesprochen werden, wenn die mit ihnen konstruierten Ursachenzusammenhänge Attributionsfehler enthalten und die Tatsachen nicht richtig abbilden. Die mit Burnout verbundenen Probleme führen besonders zur Desillusionierung und fordern oft das Aufgeben von wichtigen Lebenszielen. Dies ist sehr schmerzlich und muss verarbeitet werden. Bei der Aufarbeitung kann es zu Schuldzuweisungen kommen, die die tatsächlichen Ursachen nicht widerspiegeln. Diese kann sich als Aggression entweder gegen sich selbst oder gegen andere wenden. Betroffene fühlen sich oft hilflos, sie entwickeln Schuldgefühle und mindern ihr Selbstwertgefühl. Oder sie machen der Umwelt Vorwürfe für Ursachen, die nicht umweltbedingt sind. Auch kann es zur Ablehnung hilfreicher Veränderungen der Arbeit und zu Wutausbrüchen kommen.
In diesem Stadium können die Probleme, wenn man sie ernst nimmt, noch erfolgreich gelöst werden.

Abbau des Engagements:
Dauern die Probleme über längere Zeit an, führen sie zu einem Abbau des Engagements, der zunächst in der Arbeit durch folgende Symptome sichtbar wird:
Desorganisation
Unsicherheit
Probleme bei komplexen Aufgaben und Entscheidungen, verringerte kognitive
Leistungsfähigkeit
Verminderte Motivation und Kreativität
die Arbeit wird gerne auf den Dienst nach Vorschrift reduziert
Auch das Privatleben wird beeinträchtigt. Die Betroffenen ziehen sich immer
mehr zurück, pflegen kaum mehr Freundschaften, trennen sich vom Partner
und vereinsamen.

Verflachung:
Zudem kommt es nicht nur zum Abbau in der Arbeit, sondern auch generell zur Verflachung des emotionalen, mentalen und sozialen Lebens.
Folgende Symptome treten häufig auf:
Gefühle wie Gleichgültigkeit, Einsamkeit und Desinteresse
Konzentration auf die eigene Person
Probleme bei sozialen Kontakten:
Vermeidung von Kontakten
übertriebene Bindung an eine bestimmte Person
ständige Suche nach interessanteren Kontakten

Verzweiflung:

Im Endstadium des Burnouts erlebt der Betroffene existenzielle Verzweiflung. Die Einstellung zum Leben ist überwiegend negativ und das Gefühl der Hilflosigkeit und Niedergeschlagenheit verdichtet sich zur Depression. Zuletzt folgt totale Sinnlosigkeit, die oft im Suizid oder einem selbstverletzenden Verhalten endet.

Zusammenfassung:
Die Phasen könnte man folgendermaßen zusammenfassen:
Enthusiasmus
Stagnation
Frustration
Apathie
Burnout

Diese Phasen lassen sich vor allem gut an den helfenden Berufen aufzeigen. Es wird mit großem Idealismus und guten Vorsätzen an eine Tätigkeit heran gegangen (Phase Enthusiasmus). Die Person merkt aber, dass sie durch ihr Handeln keine Fortschritte erzielt. Stagnation, womöglich Rückschritte frustrieren, machen zynisch gegenüber der Klientel. In der Phase der Apathie ist die berufliche Tätigkeit nur noch unter großen Anstrengungen auszuüben. Man ist unmotiviert, sich neue Ziele zu stecken und häufig fehlt auch das Bewusstsein für seine eigene Situation. In der Phase wirken die Betroffenen äußerst phlegmatisch und können sich selbst zu nichts mehr antreiben, weder beruflich noch privat. Hier sind auch erste körperliche Anzeichen von Erschöpfung sichtbar. Hält dieser Zustand für eine längere Zeit an, spricht man vom Burnout-Syndrom.

Ursachen
Die Ursachen für Burnout lassen sich im persönlichen, im sozial-, und organisationspsychologischen und im gesellschaftlichen Bereich finden. Bei all diesen genannten Feldern spielt insbesondere der Rollenkonflikt zwischen Wunschbild und Realität eine große Bedeutung. Ist die Diskrepanz zu groß, steigt die emotionale Enttäuschung stark. Eben diese Enttäuschung stellt die Grundlage der Krankheit dar.

Persönliche Ursachen:
Der Belastung des Menschen durch seine Umwelt steht seine persönliche Widerstandsfähigkeit gegenüber. Folgende persönliche Aspekte vermindern diese persönliche Belastbarkeit:
Neurotizismus: Eigenschaften wie Ängstlichkeit, mangelnde Selbstachtung, Neigung zu Irritationen, Sorgen und Depressionen, Neigung zu Zwanghaftigkeit, Schuldanfälligkeit und ein labiles Selbstwertgefühl sind auffällig.
Perfektionsstreben: Sie setzen sich oft zu hohe Ziele und haben Probleme, Kompromisse einzugehen. Das wirkt sich nachhaltig auf ihre Handlungsplanung und -bewertung aus.
Helfersyndrom: Es wird versucht, Versagenserlebnisse und versagte Zuwendung in der Kindheit nun durch die eigene soziale Tätigkeit zu kompensieren. Der Helfer gibt die Zuwendung, die er empfangen möchte. Personen mit dem Helfersyndrom versuchen, ihr labiles Selbstwertgefühl durch die Aufopferung an eine große Aufgabe und die damit verbundene Dankbarkeit vieler Hilfsempfänger zu stabilisieren.
krankhafter Ehrgeiz: Menschen, deren Selbstwertgefühl größtenteils auf ihren beruflichen Leistungen beruht, zeigen eine häufig krankhafte Sucht nach Erfolg. Diese wird meist durch die elterliche Erziehung geprägt, nämlich genau dann, wenn die Zuneigung und Liebe direkt von den vorgezeigten Erfolgen der Kinder abhängt.
• besondere persönliche Defizite: Eine schlechte Ausbildung, die Misserfolge provoziert und die Unfähigkeit, anderen Grenzen zu setzen, können den Burnout begünstigen.
ADHS -Betroffene sind generell einer erhöhten Burnoutgefahr ausgesetzt.

Soziale und organisationspsychologische Ursachen:
Ein Wechsel der Arbeitssituation, wie z. B. der Einstieg in den Beruf, ein Wechsel des Vorgesetzten, ein Wechsel der Arbeitsstelle oder ähnliches sind häufig Auslöser für das Burnout-Syndrom. Dabei ist ein guter Einführungsprozess vor allem bei Berufsanfängern als vorbeugende Maßnahme sehr wichtig.
Die Arbeitsbelastung stellt eine weitere Einflussgröße dar. Eine konfliktreiche Rolle, die Unmöglichkeit, sich die Klientel auszusuchen, für den Betroffenen schwierige Klientel, die zeitliche und organisatorische Unmöglichkeit, mit der Klientel befriedigend zu arbeiten, und zeitraubende sinnlose Verwaltungsarbeit fördern Burnout. Auch das Ausmaß der intellektuellen Anregung beeinflusst das Burnout-Risiko. Je mehr der Alltag von immer gleicher Routine ohne Herausforderungen bestimmt ist, desto höher ist das Burnout-Risiko. Weiterhin wird Burnout begünstigt durch zu sachlichen, zu einseitigen und zu unpersönlichen Kundenkontakt und durch mangelnde Möglichkeiten des Helfers, sich selbst in die Arbeit einzubringen und eigene Entscheidungen zu treffen.
Zudem steigt die Burnout-Gefährdung, wenn die Ziele und Erfolgskriterien der Arbeit nicht klar definiert sind, wenn das Team nicht die gleichen Ziele verfolgt oder wenn der Helfer Ziele verfolgen muss, die gegen seine eigenen Wertvorstellungen verstoßen. Im Kontakt mit Kollegen kann Burnout dadurch mitverursacht werden, dass der Betroffene Gleichgültigkeit erfährt, keinen Rat und Unterstützung erhält und ihm keine emotionale und strategische Rückendeckung gegeben wird. Außerdem wird Burnout durch „schlechten“ Kontakt zum Vorgesetzten begünstigt, wenn Betroffene beispielsweise zu wenig Rückmeldung, Lob und Anerkennung bekommen. Auch zu starke Kontrolle und schlechtes Arbeitsklima steigern die Burnout-Gefahr.
Ein weiterer Faktor sind die „professional mystiques“. D.h., Ausbildung und Massenmedien vermitteln falsche Bilder wie beispielsweise: dass der Berufsstatus bereits Kompetenz garantiere und die wiederum hohe Erfolgsraten; dass Klienten grundsätzlich kooperativ und dankbar, Kollegen hilfsbereit und solidarisch seien. Weitere wichtige Umweltfaktoren sind private Probleme in Familie oder Partnerschaft, Einsamkeit oder ein schwaches soziales Umfeld. In großen Organisationen kommen noch spezielle Faktoren wie z. B. zu wenig Autonomie und eigene Entscheidungsfreiheit in der Arbeit sowie Rollenambiguität und -konflikte dazu. Hier ist die Gefahr größer, dass mehrere Menschen die gleichen Aufgaben erledigen, dass Unübersichtlichkeit herrscht und der Einzelne Aufgaben übernehmen muss, für die er nicht ausgebildet ist.

Objektive Belastungsfaktoren, Stress:
Die objektiv feststellbare Arbeitsbelastung stellt eine Einflussgröße dar, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte. Dazu gehören: Massive körperliche Belastungen durch Heben von Gewicht (insbesondere einseitiges Heben), häufiger starker Wechsel der Umgebungstemperaturen ohne entspr. Schutzkleidung, starke oder gesundheitsschädliche Beschallung, deutlich wechselnde tägliche Arbeitszeiten (oft Schaukeldienste genannt) und häufige oder lang anhaltende Nachtdienste.
Belastbar erscheinende Mitarbeitende werden vermehrt Überstunden oder besonders belastenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Deren Selbstüberforderung wird durch die Vorgesetzten evtl. nicht erkannt. Auch der Druck von Vorgesetzten ist zu erwähnen, Überstunden z. B. zur Erreichung von Arbeitszielen zu leisten. Dies reduziert natürlich deren Fähigkeit, die Fürsorgepflichten als Arbeitgeber-Vertreter wahrzunehmen. Im biologischen Stress-Modell wird von einer vorübergehenden starken Belastbarkeit ausgegangen, die allerdings ausreichende Erholungsphasen erfordert. Sonst ist danach mit einem Zusammenbruch des gesamten Organismus und seiner Abwehrfunktionen zu rechnen.

Gesellschaftliche Ursachen:
Auch in gesellschaftlichen Zuständen und Veränderungen lassen sich Ursachen für den Burnout finden:
Der Zerfall familiärer und kommunitärer Bindungen bewirkt wachsende Anonymität und Unpersönlichkeit. Das fördert eine narzisstische, selbstbezogene Charakterstruktur mit Angst vor Abhängigkeit, innerlicher Leere und Problemen bei tiefen persönlichen Bindungen. Die Arbeit wird umso höher als Befriedigungsquelle mit Erwartungen besetzt. Folglich sind die Menschen nicht mehr bereit, Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, die nicht optimal sind und weniger befriedigen.
• Eine weitere Ursache liegt im Wertewandel, insbesondere in der Einstellung zur Religion. Die hatte früher größeren Einfluss und stellte die Wechselfälle des Lebens oft eher als göttliche Fügung dar. Individuelle menschliche Entscheidungen haben heute Vorrang vor dem Einfluss höherer Mächte, was Unzufriedenheit und damit Burnout fördert.
• Darüber hinaus wirkt in ungünstiger Arbeitsmarktlage drohende oder sogar auch vorhandene, etwa unlösbare Arbeitslosigkeit mit. Auch in helfenden Berufen Tätige bleiben aus Angst eher an Stellen mit schlechten Arbeitsbedingungen. Das macht unzufrieden und erleichtert das „Ausbrennen“.
• Die unsichere Marktlage, in der eine sichere Lebensplanung entfällt, verunsichert stark. Die wachsende Komplexität aller Prozesse des modernen Lebens sorgt tendenziell für Autonomieeinbußen und Stress, da der Mensch immer mehr auf Maschinen und Spezialisten angewiesen ist. Man wird mehr auf bestimmte Rollen festgelegt, kann nur noch Teilbereiche des Lebens bestimmen und bewältigen, ist oft damit überfordert.
• Die Spezialisierung innerhalb der helfenden Berufe stellt gesellschaftlich hohe Erwartungen an sie. Als bürokratisch empfundene Kontrollsysteme mit als irrelevant empfundenen Erfolgskriterien können aus Sicht der Betroffenen sinnvolle Arbeit erschweren.



Behandlung:
In den Anfangsphasen kann es jederzeit zu einer relativen spontanen Erholung kommen, das hängt auch von Ursache und Auslöser des Burnout ab. Menschen mit fortgeschrittenem Burnout-Syndrom brauchen allerdings professionelle Hilfe. Im fortgeschrittenen Stadium vergeht ein Burnout-Syndrom nicht einfach wieder. Das Wichtigste ist jetzt, sich für einige Zeit "auszuklinken", um Körper und Geist ein bisschen Ruhe zu verschaffen. Die körperliche Erholung ist eine wichtige Voraussetzung, um dann - am besten mit Hilfe von professionellen Unterstützern an den eigenen Gefährdungen arbeiten zu können. Eine Behandlung mit Antidepressiva wird oft empfohlen, ist aber insofern riskant, als eine Burnout-Depression in der Regel das Ergebnis von massiver Erschöpfung ist. Dadurch unterscheidet sich die Burnout-Depression ganz erheblich von Depressionen sonstiger Genese, die sich häufig in starker Antriebslosigkeit zeigen. Der fortgeschrittene Burnoutler dagegen muss dauernd gegen seinen inneren Antrieb kämpfen, der ihn weiter in die Erschöpfung treibt. Viele Antidepressiva enthalten antriebssteigernde Substanzen - und treiben den Burnoutler weiter in den Teufelskreislauf des "müssens", liefern ihn erneut der "inneren Peitsche" aus. Letztlich erhöht dieser Effekt die Suizidgefahr ganz erheblich. Sowohl Freudenberger als auch Burisch, zwei ausgewiesene Experten der Burnout-Forschung, warnen davor, Burnout einfach wie Depressionen zu behandeln. Ganz im Gegenteil, sie betonen beide, dass die Burnout-Behandlung solange nicht erfolgreich sein wird, solange man glaubt, sie unter das weite Feld der Depressionen unterordnen zu können.

Stressquellen identifizieren : Wichtig ist ein achtsamer Umgang mit sich selbst. Bedeutsamen Stressquellen können möglicherweise anhand von zeitweilig zu führenden Stress- und Belastungstabellen, die Auskunft über Stressauslöser, Stresssituationen, Stresssymptomen, Stressreaktionen, Stressbewältigungsstrategien und ihre Ergebnisse geben sollten, identifiziert werden. Indem man vermerkt und festhält, wie erfolgreich sich der Bewältigungsversuch dargestellt hat, gelingt es manchen Leuten, Verhaltensmuster zu identifizieren, die sich als erfolgreiche Bewältigungsmethoden erweisen können.


Präventive Maßnahmen und Therapie
Die wirkungsvollste Behandlung ist wie immer eine rechtzeitige und konsequente Vorbeugung.
Am effektivsten ist und bleibt eine individuell angepasste Behandlung.

Life-Work-Balance
Meditation / Autogenes Training
Psychotherapie
Klassische Homöopathie
Traditionelle Ayurveda Behandlung
Akupunktur
Kinesiologie
Kräutertherapie

Der erste Schritt ist eine gründliche Situationsanalyse. Es ist erstaunlich, wie lange sich viele Menschen ausgebrannt dahinschleppen, ohne über mögliche Ursachen realistisch und objektiv nachgedacht zu haben. Offenbar kann man sich selbst am besten täuschen. Zusammengefasst heißt das: Welche Umweltbedingungen sind belastend? Welche eigenen Bedürfnisse und Ziele wurden vernachlässigt, welche Fähigkeiten blieben unterentwickelt? Welche Vorstellungen sind unrealistisch, welche Glaubenssätze und Denkmuster dysfunktional, welche Informationen fehlen und wo lässt sich mit dem besten Aufwand/Nutzenverhältnis etwas ändern - vor allem ein Stück Autonomie, also Freiheit für sich selber wiedergewinnen? Dazu einige konkrete Überlegungen:
Der Einsatz: Zu großes Überengagement am Anfang birgt immer eine Erschöpfungsgefahr in sich - früher oder später, je nach individuellem Kräfte-Reservoir und entsprechenden Arbeitsbedingungen. Den Einsatz deshalb dosieren und damit die Kräfte langfristig schonen.

Beruf:
Im Weiteren muss man klären, ob der jetzige Beruf tatsächlich der „Richtige“ ist. Oder ob man ihn eigentlich nie angestrebt hat, nur "hineingerutscht" ist oder gar hineingezwungen wurde. Sich darüber klar werden, heißt zwar schmerzliche Erkenntnisse hinzunehmen, bedeutet aber auch keinen Illusionen mehr aufzusitzen.
Partizipation und Führung: Eine sehr wirksame Maßnahme gegen Burnout ist die Stärkung der Teilhabe der Mitarbeiter an Entscheidungen, die ihre Arbeit betreffen. Das macht einen partizipativen Führungsstil erforderlich. Diese Maßnahme ist auch ein Beispiel dafür, dass die Vermeidung von Fehlbelastungen nicht gleichbedeutend sein muss mit einer Verringerung der psychomentalen Belastung, denn wirkliche Partizipation kann zu zusätzlichem Arbeitsaufwand führen.
Entlastungsmöglichkeiten im Team: Auch das Team ist für realistische Arbeitspläne und -umsetzungen mitverantwortlich. Hier sollten dem Einzelnen wenn möglich an seine Fähigkeiten angepasste, begrenzte und realistische Aufgaben zugeteilt werden. Zudem sollte das Team im Idealfall auch ein Raum für Austausch, Feedback und gegenseitige Begleitung sein.

Dann der Versuch, die Selbsteinschätzung schonend zu modifizieren, d. h. Schluss mit den überhöhten Ansprüchen an sich selber ("was man nicht selber tut, ist nicht getan"). Vielleicht auch die überhöhte Selbsteinschätzung korrigieren, was die geistige Leistungsfähigkeit, seelische Stabilität, die körperliche Belastbarkeit, die psychosozialen Bedingungen, also Partnerschaft, Familie, berufliches Umfeld usw. anbelangt.

• Die gesunde Lebensführung ist ein ungelöstes Problem. Zum einen ist die Gesundheit das kostbarste Gut und deshalb stets ein vorrangiger Wunsch. Doch die Realität sieht anders aus. Die einfachsten Gesundheitsregeln werden im Alltag nicht ernst- oder wahrgenommen, dafür haben immer häufiger Übertreibungen (Sport) und suspekte Gesundheitsangebote Hochkonjunktur. Besonders die kleinen Unterstützungsmaßnahmen haben keine Chance. Sie wirkten entweder zu banal oder werden gezielt lächerlich gemacht. Denn was man nicht ernst nehmen muss, braucht man auch nicht zu befolgen. Zumindest aber macht es keine Schuldgefühle, wenn man sich unvernünftig verhält. Einfach praktizieren:

Ausreichender Schlaf:
Diese an sich selbstverständliche Forderung wird häufig nicht vom individuellen Bedarf, sondern von den psychosozialen Bedingungen bestimmt. Damit droht ein schleichendes Schlaf- bzw. Regenerationsdefizit, insbesondere ab den mittleren Lebensjahren (in jungen Jahren wird der Raubbau lange nicht realisiert). Ein ausreichendes Schlafquantum, das vom Organismus und nicht von äußeren Zwängen diktiert wird, ist eine der wichtigsten Vorbeugemaßnahmen gegen psycho-physischen Verschleiß im Allgemeinen und das Burnout-Syndrom im speziellen. Dabei wird sich an den beruflichen Bedingungen nur selten etwas ändern lassen (was die Folgen aber auch nicht mildert), wohl aber in der Freizeit. Dort wird die Schlaf- und damit Erholungszeit unvernünftigerweise ständig verkürzt, was nicht zuletzt den "ungesunden Fernsehgewohnheiten" anzulasten ist. Man sitzt und sitzt, konsumiert aufregende Programme (auch wenn man meint, es berühre einen nicht) und beeinträchtigt damit Schlaf-Qualität und -Quantum. Und selbst der Urlaub dient nicht der Erholung, sondern kann eine durchaus stress-intensive Zeit werden, zumindest bezüglich Anreise und Rückfahrt im Stau.

Körperliche Aktivität:
Sport, ggf. Leistungssport, ja sogar riskante oder verschleißträchtige Sportarten sind derzeit "in". Das aber ist nicht das, was der Organismus benötigt, um seine Reserven wieder aufzufüllen. Gefordert ist regelmäßige körperliche Aktivität in vernünftigem Maße und nicht stoßweise Überaktivität. Dazu gehören z. B. täglicher "Gesundmarsch" bei Tageslicht (vor allem in der dunklen Jahreszeit, um der wachsenden Beeinträchtigung durch so genannte saisonale affektive Störungen zu begegnen, früher auch als "Winterdepression" bezeichnet). Ferner Gartenarbeit (was gemütsmäßig besonders ausgleichend wirkt) oder Fahrradfahren, Schwimmen, Gymnastik usw.

Wichtig:
Sich nicht an "moderne" oder gerade hochgejubelte Sportarten verlieren, sondern sorgfältig herauszufinden suchen, was einem am besten zusagt, wo man sie auf körperlicher und seelischer Ebene am ehesten wiederfindet, und die wenigsten Risiken eingeht. Im Übrigen bestätigt die Wissenschaft inzwischen, was ohnehin jeder weiß, wenngleich nicht nutzt: Wald, Feld und Flur bieten die günstigsten Regenerationsbedingungen. Insbesondere das so genannte Waldklima, in der Allgemeinheit einfach als "gute Waldluft" bezeichnet, in Wirklichkeit aber eine heilsame Mischung aus verschiedenen klimatischen Parametern: Temperatur, Windgeschwindigkeit, Strahlungsangebot (spezielle Lichtverhältnisse mit dem vorherrschenden langwelligen Rot, Luft- und Lärmfilterung usw.) wären ein unvergleichlicher Ort der Erholung - sofern man ihn nützen würde, und zwar regelmäßig.

Ernährung:
Eine gesunde Ernährung ist für einen gesunden Menschen oder einer der es werden möchte von äußerster Wichtigkeit.
Genussmittel: Alkohol, Kaffee, Nikotin und andere Drogen meiden.
Keine Rauschdrogen: Eigentlich selbstverständlich, aber die Realität sieht anders aus. Dies betrifft nicht nur die harten Drogen, sondern vorallem die so genannten soft drugs (z. B. Haschisch und Marihuana, ggf. auch Psychostimulanzien) oder Party-Drogen (z. B. Designerdrogen wie Ecstasy). Man glaubt nicht, wie vielen Menschen denen man das nie anmerken würde, der gelegentliche Drogenkonsum nicht fremd ist.

Hobbys:
Ganz wichtig ist die Pflege von Hobbys und sonstigen Tätigkeiten außerhalb des Berufs. Das gilt als Selbstverständlichkeit, doch auch hier sieht die Wirklichkeit anders aus. Jeder spricht von seinen Hobbys, doch nur eine Minderheit praktiziert sie so, dass sie einen hilfreichen Stellenwert im Alltag einnehmen. Die häufigste Entschuldigung ist bekannt: keine Zeit, der Beruf und sonstige Verpflichtungen lassen es nicht zu. Wie real diese Ausrede auch immer sein mag, wenn man das Hobby als Regenerationshilfe nicht nutzt und auch sonst keinen Ausgleich hat, dann gerät man langsam, aber sicher in ein Defizit. Dessen Folgen sind meist aufwendiger, als die kontinuierliche Pflege eines Hobbys. Denn ein Hobby ist nicht nur ein Hobby, sondern ein wichtiger Teil der Gesundheitserhaltung, eine wirksame Selbstheilungsmaßnahme. Manche versteigen sich - ausdrücklich oder zumindest für sich selber als Trost - zu dem "Grundsatz": Mein Beruf ist mein Hobby. Diese Brücke kann in der Tat recht lange halten, hat aber ihre Schwachstellen. Denn was ist, wenn der Beruf das Hobby darstellt und man verliert plötzlich die Freude an der Arbeit, aus welchem Grund auch immer? Dann hat man gar nichts mehr. Oder noch schlimmer: Was ist nach Abschluss der Arbeit denn nicht alle können bis ins hohe Alter weitermachen? Dann drohen "Renten-Bankrott" und "Pensionierungs-Schock". Wer dann alte Hobbys reanimieren will, muss Glück haben, wenn das gelingen soll. Vielfach schrumpft alles zu einem kümmerlichen Tagesplan, der eher an ein Dahinvegetieren als an ein erfülltes Altern erinnert. Vor allem aber schrumpfen damit geistige Regsamkeit, körperliche Reserven und zwischenmenschliche Aktivitäten. Deshalb: Hobbys sind mehr als Hobbys. Sie sind wie ein angespartes Vermögen für psychosoziale Notzeiten, die ja durch das Berufsende unabweislich kommen werden.
Kontakte pflegen: Auch das ist ein Punkt, der viel zu wenig beachtet bzw. nicht ernst genommen wird. Das betrifft nicht nur Nachbarn, Bekannte, Freunde, sondern sogar den engeren Familienkreis: Eltern, Partner, Kinder. Letzteres wird noch am ehesten eingesehen. Doch auch die anderen Kontakte sind wertvoll. Denn zwischenmenschliche Beziehungen auf jeder Ebene schützen vor dem "Ausbrennen". Das sieht zwar jeder ein, doch bei immer mehr Menschen kommt es durch die berüchtigte Stress-Spirale zum "leisen Einschlafen der Beziehungen", nicht zuletzt im Freundes- und Nachbarkreis. Man muss sich einmal selber beobachten: Nur wenn man "gut drauf", ausgeschlafen, zufrieden, voller Dynamik usw. ist, sucht und vor allem steht man den zwischenmenschlichen Kontakt auch befriedigend durch. Müde, matt, abgeschlagen, unzufrieden, missgestimmt, deprimiert usw. geht man ihm eher aus dem Weg. Kontakt braucht nicht nur Zeit, sondern auch Kraft. Also geht er verloren, wenn man dauern "gestresst" und überfordert ist.
Doch das hat folgenschwere Konsequenzen, und zwar nachhaltiger, als man dem Faktor "Pflege der Beziehungen" zutrauen würde. Man beginnt nämlich still und leise zu vereinsamen. Und dann traut man sich im Falle der Not nicht mehr anzurufen und hätte etwas Zuspruch doch so bitter nötig. Kurz: Kontakte müssen sorgfältig gepflegt werden, vor allem in Zeiten, in denen man sie nicht zu brauchen scheint. Sonst kann man bei Bedarf nicht "ernten".

Entspannungstraining:
Das Erlernen und konsequente Anwenden eines Entspannungstrainings.
Begegnet man Stress eher mit Schwäche und Passivität, sollten aktivierende und entspannende Elemente miteinander kombiniert werden. Entspannungstechniken und Aktivierungsverfahren gehören zur Prophylaxe und auch Therapie des Burnout-Syndroms.
Das Autogene Training hat sich in der Prophylaxe und Therapie des Burnout-Syndroms bestens bewährt. Dies ist eine Methode der Konzentrationen Selbstentspannung, um Spannungszustände auszugleichen und Verkrampfungen zu lösen. Es handelt sich um ein sogenanntes Psychoregulationsverfahren, das im Selbst, im Menschen entsteht. Der Mensch sorgt selbst für seine eigene Entspannung. Nach dem Erlernen der Methode des Autogenen Trainings kann diese Technik ohne Therapeuten oder sonstige Hilfsmittel durchgeführt werden. Die Technik des Autogenen Trainings basiert auf dem Prinzip der direkten Einwirkung auf die eigene Psyche, um die seelischen-nervlichen Bereiche, der verstandes- und willensmäßigen Lenkung zugänglich zu machen. In diesem Zustand körperlicher Entspannung wird das vegetative Nervensystem positiv beeinflusst. Auf autosuggestivem Weg werden Konzentrationsübungen erlernt und bestimmte Leitsätze ständig wiederholt, mit denen auf die Körperfunktionen (beispielsweise Herzschlag – Frequenz) eingewirkt werden kann.
Progressive Muskelentspannung ist eine Methode der Selbstentspannung auf der Grundlage psychophysiologischer Muskelarbeit um stressbedingte körperliche und seelische Anspannungen zu lockern. Durch abwechselnde An- und Entspannung wird das Loslassen, das Lösen der inneren Spannung assoziiert. Die praktischen Übungen, welche möglichst störungsfrei, mit lockerer Kleidung, in bequemer Haltung und mit geschlossenen Augen durchgeführt werden sollen, umfassen einzelne Gliedmaßen oder größere Muskelgruppen. Man konzentriert sich ganz auf den Körper und geht die einzelnen Muskelgruppen, beginnend mit den Zehen, durch. Wenn der Körper entspannt ist, kann das eigentliche Training.
Yoga ist die wohl bekannteste Entspannungstechnik. Durch die Atmung und bestimmte Körperübungen, Konzentration und Meditation sollen Körper, Seele und Geist in harmonischen Einklang gebracht werden. Ebenso wie bei der PM geht es um ausgewogene An- und Entspannung, die sich positiv auf den Muskeltonus auswirkt. Organe sollen belebt und der Geist beruhigt werden.
Der Begriff Qi Gong ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche Übungen und soll den Atem und die Aufmerksamkeit schulen. Durch gezielte Atem- und Körperbewegungen soll eine innere Reinigung von Körper und Psyche erreicht werden. Der Atemfluss wird als fühlbare umlaufende Lebensenergie verstanden, wobei der Geist den Atem leitet.
Unter dem Begriff Tai Chi versteckt sich eine asiatische Bewegungsmeditation und sanfte Selbstverteidigungstechnik. Praktiziert werden langsame, weiche und harmonische Bewegungen, welche Ruhe, Ausgeglichenheit, Konzentration und Ausdauer bewirken sollen. Neben dem Entspannungseffekt kann man durch die aktiven Bewegungselemente Stress abbauen.

Positives Denken! Wer positiv denkt, lebt besser. Positiv Denken bewahrt vor dem Burnout und kann auch in die Therapie des Burnout-Syndroms einfließen.

Therapieziele:
Generell veränderte Selbsteinschätzung rundlegende Veränderung der Lebensgewohnheiten hin zu einer gesunden und geordneten Lebensführung insbesondere die folgenden Faktoren betreffend:

Schlaf
Genussgifte
Erholungsbedarf
Nahrungsverhalten
körperliche Aktivität

Das Therapieziel ist die generelle Veränderung der Lebensgewohnheiten und eine Veränderung der Selbsteinschätzung.

Diagnose und Fragebogen:
Es gibt zwei anerkannte Methoden zur Diagnose des Burnouts:

Das Maslach Burnout Inventory – MBI:
bei dem die Aussagen der drei Dimensionen, emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und reduzierte, persönliche Leistungsfähigkeit, erfasst werden. Bei den siebenstufigen Antwortmöglichkeiten (von 0 = nie bis 6 = täglich) sollen die Befragten die Häufigkeit des Auftretens der jeweiligen Ereignisse angeben. Bei dem Fragebogen gilt es nicht den Gesamtwert für Burnout zu berechnen, sondern die einzelnen Dimensionen zu erfassen.
Das Tedium Measure – TM: in dem Aussagen nur bzgl. ihrer Häufigkeit beantwortet werden.


1 = einige Male im Jahr und seltener / sehr schwach, kaum wahrnehmbar; 2 = einmal im Monat / schwach; 3 = einige Male im Monat / kaum; 4 = einmal pro Woche / mäßig; 5 = einige Male pro Woche / stark und 6 = täglich / bedeutend, sehr stark

1. Stellen Sie sich häufig Fragen wie: "Was hat das alles für einen Sinn"? oder "Soll das schon alles im Leben gewesen sein"?

2. Denken Sie häufig, doch nichts bewirken zu können?

3. Fällt es Ihnen schwer, sich zu konzentrieren?

4. Haben Sie keine kreativen Ideen und Vorschläge mehr?

5. Haben Sie den Eindruck, alles wird Ihnen zu viel?

6. Trauen Sie sich nichts mehr zu?

7. Haben Sie keine Hoffnung mehr, dass sich etwas ändern lässt?

8. Fühlen Sie sich depressiv und resigniert?

9. Sind Sie, reagieren Sie häufig gereizt?

10. Haben Sie nur noch wenig Freude an dem, was Sie machen?

11. Fühlen Sie sich innerlich leer und ausgelaugt?

12. Sind Sie schnell müde und kaum noch belastbar?

13. Wachen Sie morgens zerschlagen auf?

14. Haben Sie vermehrt Heißhunger auf Süßes?

15. Haben Sie öfter Magen-, Verdauungs- oder Rückenbeschwerden?

16. Leiden Sie unter Schlafstörungen?

17. Hat Ihr sexuelles Verlangen nachgelassen?

18. Fühlen Sie sich innerlich zunehmend angespannt?

19. Haben Sie fast täglich Kopfschmerzen?

20. Ziehen Sie sich immer mehr von Ihrem Freundeskreis zurück?

21. Vernachlässigen Sie Hobbys?

22. Vernachlässigen Sie Ihr äußeres Erscheinungsbild?

23. Können Sie sich zu nichts Neuem aufraffen?

24. Greifen Sie häufiger zu Alkohol, um sich zu entspannen?

25. Nehmen Sie Aufputschmittel oder Psychopharmaka, um dem beruflichen Druck standzuhalten und den Anforderungen gewachsen zu sein?

26. Strengen Sie sich immer mehr an und trotzdem gelingt Ihnen immer weniger?

Therapeutische Möglichkeiten des Arbeitgebers
Und schließlich seien zum Abschluss noch einige "therapeutische" Hinweise für Arbeitgeber und Vorgesetzte erwähnt. Diese werden zwar einwenden, dass sie nicht auch noch für den "Seelenfrieden", insbesondere für die psychische Stabilität und die körperliche Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zuständig seien, doch sollten sie die nachfolgenden Zeilen dennoch lesen. Sie stammen nämlich nicht aus der Feder von Ärzten und Psychologen, sondern sind Erkenntnisse ihresgleichen, vorgetragen auf einem Kongress und publiziert in einer technischen Fachzeitschrift (vdi). Denn es gibt einen betriebspsychologischen Grundsatz, der keiner Diskussion bedarf, so selbstverständlich hört er sich an:

Verantwortungsvoller Umgang mit dem Personal fördert den Erfolg eines Unternehmens.
Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Das Betriebsklima wird rauer. Dabei wird immer wieder auf folgendes hingewiesen: Explodierende Kosten und harte Wettbewerbsbedingungen fordern die Unternehmer immer mehr. Viele suchen dann Lösungsansätze in neuen Strategien, vergessen dabei aber oft den pfleglichen Umgang mit ihren Mitarbeitern. Dazu die erwähnten Kommentare, die schon nachdenklich werden lassen.

"Mit einer schlankeren Organisation wollen sich die meisten Unternehmen ihren Weg in die Zukunft ebenen. Dieser Kampf ums Überleben beeinflusst aber in zunehmendem Maße die innerbetriebliche Zusammenarbeit. So geht es zwischen den Mitarbeitern inzwischen mit immer härteren Bandagen zur Sache. Dabei muss man sich fragen: Merkt denn niemand, wie stark mit diesem Umgangsstil (und oft auch Umgangston) die Bemühungen um einen der vorderen Plätze im Markt konterkariert werden? Kommt es denn keinem in den Sinn, dass derart geistig und seelisch ausgelaugte, frustrierte Mitarbeiter und von diesen deshalb nur allzu oft düpierte Kunden alles andere als Türöffner zur Zukunft sind? Gefordert ist deshalb eine Rückkehr zu pfleglicheren innerbetrieblichen Umgangformen" (I. Nütten).

Gewarnt werden muss vor einer wachsenden innerbetrieblichen Kälte. Denn der seelisch-mentale Stressballast in Folge rüden Führungsverhalten ist ein gefährlich unterschätzter Sprengsatz an den Fundamenten der Unternehmen: Die harte innerbetriebliche Gangart macht die Mehrzahl der Mitarbeiter bereits zu angeschlagenen Kämpfern, bevor sie überhaupt mit ihrer Arbeit begonnen haben" (Th. Weegen).

"Was der Sport schon lange zeigt, gilt ohne Abstriche auch für die Wirtschaft: Siege werden in den Köpfen errungen. Erfolge sind das sichtbar gewordene Ergebnis innerer Einstellung. Wo Führung ausschließlich als Powerplay mit Menschen und Mitteln betrieben und das innere Wohlbefinden der Belegschaft als Nebensache angesehen wird, heißt das Ergebnis nicht Erfolg, sondern Krise. Mit einem derartigen desolaten Innenleben findet kein Unternehmen die richtige Antwort auf die Fragen, die das hohe Innovations- und Wettbewerbstempo ständig aufwirft" (H. Volk).
Und zum Schluss das bedenkenswerte Ergebnis einer amerikanischen Untersuchung: Eigentlich wollte man nur wissen, welche fünf US-Firmen zwischen 1972 und 1992 im Jahresdurchschnitt die höchsten Gewinne pro Aktie erzielt haben. Doch als man schließlich diese fünf Gewinner nach ihren Gemeinsamkeiten untersuchte, kam folgendes heraus: Alle verfügten weder über eine beherrschende Marktposition, noch über eine einzigartige Technologie, noch waren sie Massenproduzenten. Sie agierten auch nicht in ausgesprochenen Wachstumsmärkten oder konnten sich auf Zulieferer stützen, die dem Unternehmen besonders eng verbunden waren. Vielmehr zeigte sich nur eines:

Der entscheidende gemeinsame Erfolgsfaktor lag im pfleglichen Umgang mit dem Personal.