Fibromyalgie

Ist eine nichtentzündliche Schmerzerkrankung. Das Wort Fibromyalgie leitet sich ab aus „Fibro-“ vom lateinischen fibra = Faser, griechisch „My-“ von myos = Muskel und „algie“, ebenfalls aus dem Griechischen von algos = Schmerz. Die veraltete Bezeichnung lautet Tendomyopathie, abgekürzt GTM.

Symptome
Hauptsymptome sind gekennzeichnet durch diffuse chronische Schmerzen in verschiedenen Körperregionen. Die Schmerzen sind meist mit anderen
körperbezogenen Beschwerden wie Druckschmerzempfindlichkeit und Steifigkeitsgefühl assoziiert. Andauernde Müdigkeit (allgemeine Schwäche und Konzentrationsstörungen) sowie Schlafstörungen bis hin zur Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) und verminderte Leistungsfähigkeit. Schmerzen besonders im Rücken, Nacken, Brustkorb als auch in den Gelenken, den Armen und Beinen und Gliedersteife, jedoch ohne eine fassbare zugrundeliegende Erkrankung.
Begleitsymptome sind meist Schwellungsgefühle in den Händen, Füßen oder dem Gesicht oder Kribbeln und Taubwerden der Hände und Füße. Morgensteifigkeit, Reizdarm, Reizmagen, Kopfschmerzen, Trockenheit bzw. Überempfindlichkeit der Schleimhäute sowie vermehrte Ängstlichkeit, depressive Stimmung, Niedergeschlagenheit und Reizbarkeit. Beschwerden beim Atmen, Kloßgefühl im Hals, Wetterfühligkeit und Durchblutungsstörungen. Unnatürlich lange Erholungsphasen nach körperlichen, geistigen oder emotionalen Belastungen. Wissenschaftlich nachgewiesen wurden eine erhöhte Licht- und Kälte Empfindlichkeit.

Vegetative Beschwerden
Bei jedem Patient können unter Umständen diverse vegetative Beschwerden auftreten, beispielsweise Herzrhythmusstörungen, empfindliche Haut - überschießende Reaktionen bei Berührung von Menschen, vermehrte Venenzeichen, Haarausfall, Atembeschwerden, diffuse Schmerzen im Brustbereich in Verbindung mit Atemnot, Infektanfälligkeit, leicht erhöhte Temperatur, Taubheitsgefühle, nervöse Extremitäten (restless legs), Krämpfe in der Beinmuskulatur, Händezittern, Reizblase, Reizdarm, Periodenschmerzen, Nachlassen des sexuellen Interesses, Impotenz, Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Kloßgefühl im Hals, Zahnschmerzen, Schmerzen in der Kaumuskulatur, Störungen des Gehörsinns, Blindheit, Tinnitus, Neigung zur vermehrten Schweißbildung, Wassereinlagerungen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Wortfindungsstörungen, Schmerzen im Wirbelsäulenbereich, wechselnde Schmerzbereiche
Organ- und Gewebeschäden sind bisher nicht nachweisbar, obwohl massive Störungen in der Funktion der inneren Organe auftreten können, insbesondere zu Beginn der Erkrankung.

Krankheitsverlauf
Der Erkrankungsbeginn ist häufig schleichend und unauffällig.Am Anfang stehen meistens unspezifische Beschwerden wie Erschöpfungs- oder Magen-Darm-Beschwerden. Später kommen Schmerzen im Bereich der Lenden- oder (seltener) der Halswirbelsäule hinzu. Erst danach entwickeln sich die typischen Schmerzen in Armen und Beinen sowie weitere begleitende Symptome und Beschwerden.
In der Regel verschlimmert sich die Krankheit nicht kontinuierlich. Heftige Schmerzattacken werden von schmerzfreien Intervallen abgelöst. Kälte, Nässe oder äußere Belastungen können zur Verschlimmerung führen.
Bis sich das Vollbild der Erkrankung herausgebildet hat, dauert es durchschnittlich sieben bis acht Jahre. Die einzelnen Schübe und akuten Phasen folgen keinem bestimmten Muster und sind deshalb nur schwer vorherzusehen, jedoch treten sie besonders häufig nach akuten Infektionskrankheiten auf.
Stress ist ebenfalls ein ernstzunehmender Faktor. Viele Betroffene klagen über vermehrte Symptome, körperlich wie psychisch, nachdem sie Stress hatten.
Der Krankheitsverlauf zieht sich meistens über Jahrzehnte hin. Die Heftigkeit der Symptome und der daraus folgenden gesundheitlichen Einschränkungen ist individuell verschieden, in schweren Fällen aber lebensbestimmend bzw. stark einschränkend bis hin zur dauernden Bettlägerigkeit.

Fibromyalgie ist nicht mit dem Begriff „Weichteilrheumatismus“ gleichzusetzen. Die medizinische Definition des Rheumas fordert eine nachweisbare Entzündung; in diesem Sinne stellt sie keine rheumatische Erkrankung dar. Eine wichtige Differentialdiagnose ist jedoch die Rheumatoide Arthritis.
Zu einer krankheitsbedingten Zerstörung der Knochen – wie etwa bei der rheumatoiden Arthritis – kommt es durch die Fibromyalgie selbst in der Regel nicht, jedoch kann die teilweise massive Bewegungseinschränkung zu Kapselschrumpfungen und anderen irreparablen Folgen im Gelenkapparat führen; dies ist allerdings selten.

Diagnose
Die Diagnose einer Fibromyalgie gestaltet sich recht schwierig. Eine Diagnose kann somit letztendlich nicht immer sicher gestellt werden. Meist werden „tender points“ (engl.: empfindliche Stellen) zur Hilfe genommen. Besteht bei 11 oder mehr von 18 „tender points“ eine erhöhte Druckschmerzhaftigkeit, so liegt der Verdacht auf Fibromyalgie nahe. Diese Diagnosepunkte liegen zumeist gelenknah an den Sehnen-Muskel-Ansätzen.
Oft wird die Diagnose erst nach 8–10 Jahren gestellt, so dass es bereits zu einem Vollbild der Erkrankung gekommen ist, bevor der Patient angemessen therapiert wird. Da für die meisten Patienten bis zur endlichen Diagnose eine relativ lange Zeit vergeht, haben fast alle Betroffene eine regelrechte Ärzte-Odyssee hinter sich. Aufgrund dessen, dass einige Betroffene in dieser Zeit als Hypochonder abgestempelt werden, verschlimmern sich nicht selten Selbstzweifel und Symptome.

Diagnosekriterien:

Schmerzen im Bewegungsapparat seit mindestens drei Monaten ohne andere offensichtliche Ursache
Die Schmerzen betreffen das "Achsenskelett", die obere und die untere Körperhälfte, die rechte und die linke Seite des Körpers
Spontane Schmerzen in der Muskulatur, im Verlauf von Sehnen und Sehnenansätzen, die über mindestens drei Monate an drei verschiedenen Regionen vorhanden sind.
Druckschmerzhaftigkeit der „tender points“
Begleitende vegetative und funktionelle Symptome
(Schlafstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen/Migräne, kalte Hände/Füße, trockener Mund,
Hyperhidrosis (übermäßige Schweißproduktion), Kreislaufbeschwerden, Schwindel,
gastrointestinale Beschwerden (Magen-, Darmbeschwerden), Globusgefühl, funktionelle
Atembeschwerden, Missempfindungen („Kribbeln“), funktionelle kardiale Beschwerden,
Dysurie und/oder Dysmenorrhoe

Fibromyalgie-Patienten haben aufgrund der problematischen Diagnose oft Schwierigkeiten als arbeitsunfähig anerkannt zu werden, was nicht selten zu großen sozialen bzw. finanziellen Schwierigkeiten führt.

Labor-Untersuchungen
Es wird empfohlen, folgende Labor-Untersuchungen durchzuführen:
- Blutsenkungsgeschwindigkeit, C-reaktives Protein, kleines Blutbild (z. B. Polymyalgia rheumatica, rheumatoide Arthritis)
- Kreatininkinase (z. B. Muskelerkrankungen )
- Kalzium (z. B. Hyperkalziämie)
- Thyreoidea-stimulierendes Hormon basal (z. B. Hypothyreose)
- Ohne klinische Hinweise ist eine routinemäßige Untersuchung auf mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen assoziierte Autoantikörper nicht sinnvoll.
- In Abhängigkeit von der Anamnese und dem körperlichen Untersuchungsbefund können weitere Laboruntersuchungen sinnvoll sein.

Differentialdiagnosen
Bei der Diagnose Fibromyalgie handelt es sich eher um eine Ausschlussdiagnose, so müssen zuvor unbedingt andere definierte Erkrankungen ausgeschlossen werden. Wichtig ist hierbei auch eine sorgfältige psychiatrische Abklärung, da bspw. eine Depression oft übersehen wird.
Rheumatoide Arthritis
Perniziöse Anämie / Vitamin-B12-Mangel, Neurologische Schäden treten meistens vor der eigentlichen Anämie auf.
Polyneuropathie
Borreliose
Hashimoto-Thyreoiditis
Multiple Sklerose
Epstein-Barr-Virus
Enthesiopathien , z. B. Tendinose – Degenerative Erkrankungen der Sehnen oder des
Sehnenansatzes, meist Folge von Über- oder Fehlbelastungen bzw. von Stoffwechselstörungen,
Abklärung in der Regel per Sonographie möglich
Übertraining – intensive langwährende sportliche Betätigung, z. B. Leistungssportler, aber auch ambitionierte Hobbysportler
Hypermobilitätssyndrom

Es wird empfohlen, die Ursachenüberzeugung/subjektive Krankheitstheorie(n) sowie Ressourcen, Bewältigungsstrategien und krankheitsfördernde Mechanismen zu besprechen. Ebenso,die aktuellen psychosozialen Stressoren (wie Beruf, Partnerschaft, Familie) und biographischen Belastungsfaktoren.

Die Existenz der Fibromyalgie ist insbesondere hinsichtlich ihres Krankheitswertes bis heute umstritten. Obwohl schon früher zahlreiche, im Einzelnen jedoch nicht unumstrittene – z. B. hinsichtlich der Spezifität –, organische Befunde festgestellt wurden, haben erst moderne bildgebende Verfahren, welche Echtzeit-Einblicke in Bereiche des Zentralnervensystems ermöglichen, deutliche Abweichungen, z. B. in der Schmerzwahrnehmung aufgezeigt. Daher ist die Existenz der Schmerzwahrnehmung in Fachkreisen mittlerweile etwas weniger umstritten, was jedoch nicht für deren Ursache gilt. Auch wenn sich daraus für die Diagnostik nicht direkt verwertbare Erkenntnisse bieten, sind die Betroffenen wenigstens den ihnen oftmals entgegengebrachten Vorwürfen der Simulation, Hypochondrie und/oder Hysterie nicht mehr ganz dem früher anzutreffenden Umfang ausgesetzt.

Die Krankheit ist nicht tödlich, kann jedoch eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität bewirken.
Die Fibromyalgie kann plötzlich ausbrechen, nach einer grippeähnlichen Erkrankung, oder schleichend einsetzen.

Ursache
Sowohl die Ursache (Ätiologie) der Fibromyalgie als auch die Mechanismen der Krankheitsentstehung (Pathogenese) sind ungeklärt. Verschiedene pathophysiologische Veränderungen sind zwar damit assoziiert, aber ohne dass die Ursache-Wirkungs-Relation geklärt ist. Dazu gehören Störungen der zentralen Schmerzverarbeitung, eine Hyoporeaktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse, eine Störung des Wachstumshormon-Systems, erhöhte systemische pro-inflammatorische und verminderte anti-inflammatorische systemische Zytokinprofile und Veränderungen des dopaminergen und serotonergen Systems.
Es besteht eine Vielfalt von Befunden, die genetische, hormonelle, neurophysiologische, psychische und weitere Faktoren betreffen. In der Zusammenschau der Befunde wird derzeit vorwiegend eine Störung schmerzverarbeitender Systeme im zentralen Nervensystem mit der Folge einer erniedrigten Schmerzschwelle diskutiert.
Hinsichtlich hormoneller und neurophysiologischer Faktoren ist beispielsweise ein Mangel des Neurotransmitters Serotonin, das in der Schmerzverarbeitung und der Regulation des Schlafes eine wichtige Rolle spielt, im Gespräch. So wurden bei Patienten mit einer Fibromyalgie unter anderem im Liquor cerebrospinalis erniedrigte Spiegel an Serotonin-Stoffwechselprodukten festgestellt. Neben Serotonin wird auch die Rolle anderer Hormone und Neurotransmitter wie beispielsweise Substanz P oder das Wachstumshormon Somatotropin in der Entstehung der Fibromyalgie untersucht.

Bei Patienten mit Fibromyalgie liegen überdurchschnittlich häufig psychische Störungen wie Depressivität und Ängstlichkeit vor. Es ist ungeklärt und Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion, inwieweit diese psychischen Störungen selber Folge der chronischen Schmerzen sind oder aber die Symptome der Fibromyalgie eine zugrundeliegende psychische Störung reflektieren.
In Untersuchungen konnte bei Fibromyalgie-Patienten ein häufigeres Vorkommen von körperlicher Misshandlung und sexuellem Missbrauch in der Vorgeschichte festgestellt werden.

Ätiopathogenese und Pathophysiologie
Physische und psychische Stressoren am Arbeitsplatz sind Risikofaktoren für die Entwicklung eines FMS.
Für die Entwicklung und Aufrechterhaltung sind es affektive Störungen.
Und für eine Chronifizierung, operante Lernmechanismen und Sensitivierung.

Ein biopsychosoziales Modell bezüglich Prädisposition, Auslösung und Chronifizierung der Fibromyalgie wird postuliert. Physikalische und/oder biologische und/oder psychosoziale Stressoren lösen bei einer entsprechenden genetischen und lerngeschichtlichen Prädispositionen vegetative, endokrine und zentralnervöse Reaktionen aus, aus denen die Symptome des FMS, resultieren. Die Fibromyalgie ist eine Endstrecke verschiedener ätiopathogenetischer Faktoren und pathophysiologischer Mechanismen.

Betroffene
In westlichen Industrienationen beträgt die Prävalenz des FMS bei Erwachsenen in der allgemeinen Bevölkerung 1-2%, davon sind 85 bis 90 Prozent Frauen.
Die Erkrankung beginnt im Allgemeinen gegen Ende 20 und ist mit etwa Mitte 30 voll entwickelt, und hat bei Frauen einen Häufigkeitshöhepunkt im und nach dem Klimakterium. Selten sind auch Kinder und Jugendliche von ihr betroffen; bei alten Menschen könnte sie fälschlicherweise unter „Altersbeschwerden“ subsumiert werden.

Behandlung
Die Fibromyalgie ist durch medizinische Maßnahmen nicht heilbar. Grundsätzlich besteht die Gefahr des Medikamentenmissbrauchs, der Sucht sowie unabsehbarer Folgeschäden durch Dauermedikation mit diversen Schmerzmitteln.
Ein Behandlungskonzept ist heute die multimodale Therapie entsprechend den Erkenntnissen der modernen Schmerzforschung. Ziel der Maßnahmen ist hierbei die Erhaltung oder Verbesserung der Funktionsfähigkeit im Alltag und damit der Lebensqualität sowie die Minderung und/oder Linderung der Beschwerden. Da es sich um ein lebenslang bestehendes Beschwerdebild handeln kann, werden insbesondere Behandlungsmaßnahmen empfohlen, die vom Betroffenen eigenständig durchgeführt werden können, die keine oder nur geringe Nebenwirkungen haben und deren langfristige Wirksamkeit gesichert sein sollte.
Danach werden folgende mögliche Behandlungen und Maßnahmen, die nicht zuletzt aufgrund des inhomogenen Krankheitsbildes auf den jeweils Betroffenen individuell abgestimmt werden müssen, empfohlen:

Ganzkörperwärmetherapie (Sauna, Wannenbäder, Thermalbäder)
Lymphdrainage
Entspannungsverfahren : autogenes Training, Meditation, Taijiquan und Qigong und weitere
Techniken der Stressbewältigung
Patientenschulung, Nutzung der Möglichkeiten von Selbsthilfeorganisationen
Kognitiv-verhaltenstherapeutische Schmerztherapie
Eine systematische Belastungssteigerung durch Sporttherapie (Herz-Kreislauftraining und Funktionstraining), ein an individuelles Leistungsvermögen angepasstes aerobes Ausdauertraining
Empfohlene Ausdauersportarten: Walking, Radfahren, Schwimmen, Aquajogging
Psychologische Therapie in Form von Hypnotherapie, geleitete Imagination, therapeutischem Schreiben
Funktionstherapie / Krankengymnastik, teilweise mit sehr langsam steigenden Anforderungen, angesichts des teilweise erheblichen Schmerzpegels.
Physikalische Therapie (Balneo- und Spa-Therapie)

Es wird empfohlen, dass bei Patienten mit relevanten Beeinträchtigungen von Alltagsfunktionen unter Berücksichtigung der definierten Indikationen und Kontraindikationen eine multimodale Therapie, obligat eine auf einander abgestimmte medizinische Trainingstherapie oder andere Formen der aktivierenden Bewegungstherapie in Kombination mit psychotherapeutischen Verfahren, durchgeführt wird. Ebenso wichtig ist es Selbstverantwortung und Eigenaktivität der Betroffenen wieder zu stärken.

Stabilität ist für Betroffene äußerst wichtig.

Alternativen
Traditionelle chinesische Medizin
Tai Chi
QiGong
Taijiquan
Tanztherapie
Akupunktur
Akupunktur-Massage nach Penzel
Feldenkrais
Wirbelsäulentherapie nach Dorn-Breuß
Zilgrei
Ernährungsumstellung / Trinkmenge
Osteopathie
Magnetfeldtherapie
Schröpfen

Wärmebehandlungen:
Infrarotwärme-Kabine
Sandliege
Moor- und Fangopackungen
Warme Bäder
Bestrahlungen
Wickel, heiße Rolle

Kältebehandlungen:
Kältekammer
Packungen
Kaltluft

Elektrotherapien:
Stanger-Bäder
Ultraschall
Ultrareizstrom
TENS-Therapie
Laser-Therapie
Pulsierende Magnetfeldtherapie

Sonstige:
Thermal- und Solebäder
Sanfte Massagen
Lymphdrainagen
 
Krankengymnastik
Dehnungsübungen
Wassergymnastik
Rückenschule
Wirbelsäulengymnastik
Medizinische Trainingstherapien an Geräten

Entspannung
Autogenes Training
Progressive Muskelentspannung nach Jakobsen (PME)
Musiktherapie
Yoga
Biofeedback
Schmerzbewältigung

Pflanzliche Präparate:
Baldrian
Brennessel
Johanniskraut
Teufelskralle
Arnika-Bäder
Taigawurzel (Teufelsbusch)
Grüner Tee
Passionsblume
Lapacho

Warum wird die Diagnose oft erst so spät gestellt?
Vielleicht ist es Ihnen auch so ergangen: Sie waren wegen Ihrer Beschwerden beim Hausarzt und auch bei einigen weiteren Fachärzten. Zu Ihrer Verwunderung konnten diese aber nichts Krankes an Ihrem Körper entdecken, obwohl sie doch starke Beschwerden haben. Vielleicht hat man Ihnen sogar gesagt, Sie würden sich das ganze nur einbilden. Vielleicht hat man auch Verlegenheitsdiagnosen gestellt oder alles auf kleinere körperliche Auffälligkeiten geschoben, wie z.B. einen leichten Verschleiß in den Röntgenbildern. Häufig kam erst nach längerer Zeit jemand auf die Diagnose Fibromyalgie.
Leider wird Ihre Geschichte mit einiger Wahrscheinlichkeit so verlaufen sein. Die Fibromyalgie kann nämlich sehr vielfältige Symptome verursachen, die nicht nur bei dieser Erkrankung auftreten. So können die Ärzte durch die Beschwerden zunächst in die Irre geführt werden. Bei Gelenkschmerzen wurde zunächst an Gelenkrheuma, Gicht, Borreliose oder Arthrose gedacht . Dieses ließ sich dann aber durch eine Blutentnahme und Röntgenbilder ausschließen. Wegen Durchfällen hat Ihr Arzt zuerst an eine Darmerkrankung oder Infektion gedacht. Bei einer Stuhl- und Blutuntersuchung oder sogar einer Darmspiegelung wurde aber nichts gefunden, was das Ausmaß Ihrer Beschwerden erklären könnte.
Erst das Gesamtbild aller Ihrer Beschwerden lässt an eine Fibromyalgie denken. Dazu kommt noch, dass sich die Fibromyalgie nicht durch einfache Tests im Blut oder durch Röntgenuntersuchungen feststellen lässt. Das wollen wir Ihnen im Folgenden erklären.
 
Viele Patienten haben eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, bevor dann endlich die Diagnose Fibromyalgie gestellt wird - (im Durchschnitt erst nach sechs Jahren)
An dieser Stelle sollte betont werden, dass es sich trotz des chronischen Verlaufs nicht um eine den Körper verändernde Erkrankung handelt. Die Schmerzen mögen lästig und häufig auch quälend sein, aber sie sind ungefährlich. Gelenke und Muskeln gehen dabei nicht kaputt.

Gibt es auch Labor- und Röntgenveränderungen bei der Fibromyalgie?
Es gibt keine Laboruntersuchungen oder apparative Untersuchungen, welche die Diagnose eindeutig beweisen können. Im Röntgenbild sieht man meistens wenig, vielleicht erkennt man einen leichten Verschleiß. Auch die Blutwerte und vor allem die speziellen Rheumawerte sind meist unauffällig. Trotzdem sollten diese Untersuchungen einmal bei Ihnen durchgeführt worden sein. Sie dienen der Abgrenzung gegenüber anderen rheumatischer Erkrankungen, die sich durch ähnliche Beschwerden äußern könnten (z.B. Rheumatoide Arthritis, Arthrose, Kollagenosen und Vaskulitiden). Es gibt jedoch einige sehr aufwendige und invasive Untersuchungen, bei denen man Veränderungen z.B. in der Rückenmarksflüssigkeit nachweisen kann. So ist dort der Botenstoff "Substanz P" erhöht und ein weiterer Botenstoff "Serotonin" erniedrigt. Diese Veränderungen sind allerdings nicht beweisend, weil sie auch bei anderen Erkrankungen vorkommen können. Außerdem gehören Nervenwasseruntersuchungen nicht gerade zur Routinediagnostik, die man jedem Patienten zumuten könnte. Einige weitere Auffälligkeiten, die sich auch messen lassen, wurden gefunden: So ist bei Patienten mit einer Fibromyalgie die Schmerzschwelle niedriger als bei Gesunden. Wenn Ihnen ein Tennisball auf den Fuß fällt, fühlt sich das für Sie vielleicht eher an wie eine Bleikugel. Und nicht nur die Schmerzschwelle ist niedriger, sondern auch eine größere Geräuschempfindlichkeit, Lichtempfindlichkeit und Kälteempfindlichkeit konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden.
 
Es ist noch unklar, ob die Veränderungen auf körperlicher Ebene und im Empfinden, die Ursache oder die Folge der Erkrankung sein könnten.
Genetische Veranlagung:Es gibt eine familiäre Häufung der Erkrankung. Häufig leiden andere weibliche Familienangehörige von Fibromyalgie-Patientinnen ebenfalls an dieser Erkrankung. Erstaunlicherweise trifft dies auch für nicht blutsverwandte Familienmitglieder zu.

Neurotransmitterveränderungen:
Einige Botenstoffe im Nervensystem (Neurotransmitter) liegen in veränderten Konzentrationen vor. Neurotransmitter sind wichtig für die Weiterleitung eines Reizes vom Entstehungsort über periphere Nerven und das Rückenmark ins Gehirn. Auf dem Weg vom Entstehungsort zum Gehirn kann der Reiz durch verschiedene Mechanismen im Rückenmark verstärkt oder abgeschwächt werden. Bei Fibromyalgie-Patienten wurden erhöhte Werte der schmerzverstärkend wirkenden "Substanz P" und erniedrigte Werte des schmerzdämpfenden "Serotonins" in der Rückenmarkflüssigkeit gefunden. Dies würde die erniedrigte Schmerzschwelle bei der Erkrankung erklären.

Schmerzverarbeitungsstörung:

Chronische Schmerzen können sich gewissermaßen als Spuren in das Gehirn einprägen. Die Schmerzempfindung ist dann erlernt und hat zu strukturellen Veränderungen im Gehirn geführt. Dies kann dazu führen, daß das Gehirn auch später sensibler gegenüber solchen Schmerzreizen ist. Auch somit kann erklärt werden, warum die Schmerzschwelle bei Fibromyalgie-Patienten nachweislich niedriger ist als bei Gesunden.

Hormonelle Veränderungen:
Einige Hormone können in veränderten Konzentrationen vorliegen. Diese Hormonveränderungen findet man aber auch bei Menschen mit chronischem Stress. Das führte zu der Frage, ob Patienten mit einer Fibromyalgie schon vorher an chronischem Stress leiden und ob dieser ein Entstehen der Erkrankung begünstigt, oder ob der Stress erst durch die Erkrankung selbst entsteht.
Ursachen in der Lebensgeschichte: Da Körper und Seele eine Einheit bilden und sich zum Beispiel Spannungen und Überlastungen (auch solche aus der Vergangenheit) in körperlichen Schmerzen ausdrücken können, liegen manchen Schmerzerkrankungen auch psychische Ursachen zugrunde. Daher ist zum Teil organisch kein ausreichender Befund festzustellen. Dies möchten wir an einem Beispiel erklären:
Patienten berichten manchmal, dass sie von Kindesbeinen an schwer körperlich arbeiten mussten. Diese frühe Be-, und oft auch Überlastung, hat sich dann häufig in der Lebensgeschichte fortgesetzt und dazu geführt, dass man sich nicht ausreichend um seine eigenen Bedürfnisse hat kümmern können. Schmerzen entstehen dann als Folge dieses Ungleichgewichtes und können als eine Art Signal verstanden werden, dass etwas sozusagen im Untergrund im Argen liegt, auch wenn man es nicht immer bewußt so erlebt und zum Teil auch schon "abgehakt" glaubt. Es ist sehr wichtig, sich auch diesen Themen in ausreichendem Maße zu widmen und Aspekte der eignen Lebensgeschichte zusammen mit dem Arzt im Hinblick auf Ihre Symptome besser zu verstehen. Auch bei der Aufrechterhaltung chronischer Schmerzen können psychosoziale Faktoren eine Rolle spielen. Dies sind z.B. eine ständige Überlastung, Mangel an Erholungsphasen, zu hohe Erwartungen an sich selbst. Und nicht zuletzt können schwierige Lebenssituationen eine Rolle bei der Aufrechterhaltung der Schmerzen spielen, wie z.B. Zukunftsängste, Angst um den Arbeitsplatz oder finanzielle Unsicherheit, Überlastung durch die Pflege eines kranken Familienangehörigen, Verlust von nahestehenden Mitmenschen.
 
Bewegungstherapie:
Vielleicht haben Sie selbst schon die Erfahrung gemacht, dass sich Gymnastik und Bewegung langfristig gesehen positiv auf Ihre Schmerzen auswirken. Bewegung hält die Muskeln und Bänder geschmeidig und wirkt einer durch Schonhaltung begünstigten Bänderverkürzung entgegen. Langfristig gesehen führt regelmäßige Bewegung zu einer Schmerzreduktion, weil Ihr Bewegungsapparat durch das regelmäßige Training in einen besseren Funktionszustand versetzt wird. Wichtig ist deshalb eine regelmäßige Krankengymnastik, die der Lockerung und Kräftigung der Sehnen und Muskeln dient. Am effektivsten ist die Gymnastik, wenn Sie sie nicht nur einmal wöchentlich in der Praxis ihrer Krankengymnastin durchführen, sondern täglich zu Hause ein paar Minuten üben. Wir wissen, dass dies nicht ganz leicht ist und eine hohe Motivation von Ihnen fordert, aber dies ist bislang der effektivste Weg, Ihre Schmerzen zu reduzieren. Es kommt hierbei nicht auf Höchstleistungen sondern eher auf die Regelmäßigkeit an. Fünf Minuten täglich sind besser als einmal eine Stunde pro Woche. Außerdem haben sich gewisse Sportarten als besonders geeignet für Fibromyalgiepatienten erwiesen: Dazu gehören Schwimmen und Aquajogging, Radfahren, Walken (zügiges Spazierengehen) und Tanzen.
Diesen Sportarten ist gemeinsam, das sie gelenkschonend sind und als "Gesundheitssportarten" gelten. Vermeiden sollten Sie möglichst alle Sportarten, die mit ruckartigen Bewegungen oder großer Kraftanstrengung einhergehen: Kraftsport und Gewichtheben, Squash, Tennis.

Physikalische Maßnahmen:
Hier gilt das Prinzip: Alles ist erlaubt, was Ihnen gut tut. Von vielen Patienten werden leichte Massagen, Lymphdrainage und vor allem Wärmeanwendungen als wohltuend und lindernd empfunden. Wenn dies bei Ihnen auch der Fall ist, sollten Sie diese Verfahren gezielt einsetzen. Wärme können Sie sich auf viele Arten zuführen: Warme Entspannungsbäder, warme Duschen, Wärmflasche, Heizdecke, Kirschkernkissen, Rotlicht, Sauna, Heizluft, Fango, Thermalbadbesuche, etc.

Vielleicht denken Sie jetzt:
Das hilft mir zwar, aber alles nur für eine kurze Zeit. Es kann jedoch hilfreich sein, bei akuten Schüben ein Mittel an der Hand zu haben, das die Schmerzen auch kurzfristig lindert. Außerdem können bei regelmäßiger konsequenter Anwendung auch diese Maßnahmen dazu beitragen, dass Ihr durchschnittlicher Schmerzwert langfristig sinkt. Von einem kleinen Teil der Patienten wird eher Kälte als wohltuend empfunden. Falls Sie zu dieser Gruppe gehören, so sollten sie sich ebenfalls gezielt Kälte zuführen, z.B. durch auflegen von Coolpacks, durch Eisabreibungen oder ähnliches.
Entspannungsverfahren: Aus vielen Untersuchungen wissen wir, dass chronische Schmerzen reaktiv zu einer stärkeren Anspannung der Muskulatur führen. Dies führt dann wiederum zu einer Schmerzzunahme, und so kann ein nur schwer zu durchbrechender Teufelskreis entstehen, indem sich Anspannung und Schmerz gegenseitig immer weiter hochregulieren. Durchbrochen werden kann dieser Kreislauf, wenn Sie es erreichen, sich ganz bewusst und gezielt zu entspannen. Da dies kaum jemand auf Kommando kann, wurden bestimmte Verfahren entwickelt, mit denen man sich gezielt zu entspannen lernt. Die bekanntesten Methoden sind das Autogene Training und die Progressive Muskelentspannung nach Jakobson. Alternativverfahren mit ebenfalls entspannendem Effekt können Feldenkrais, Yoga, Tai Chi, Chi Gong etc. sein.

Ambulante integrierte Gruppentherapie: Aus mehrjähriger Erfahrung und intensiver Forschung wissen wir, dass eine ambulante Behandlung, die sowohl medizinische und bewegungsbezogene als auch psychische Bestandteile der Fibromyalgie berücksichtigt, zu einer Befindensbesserung beitragen kann. Die Fibromyalgie-Gruppe wird von der Rheuma- und Schmerzambulanz der Abteilung Innere Medizin II der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg durchgeführt. An den Gruppen nehmen jeweils 8 - 10 Fibromyalgie-Patienten teil, die sich über einen Zeitraum von 10 Wochen jeweils donnerstags abends (18 - 19.30 Uhr) immer in der gleichen Zusammensetzung treffen.

Worum geht es in der Gruppe? Sämtliche Gruppensitzungen werden von einer Ärztin und einer Feldenkrais-Bewegungstherapeutin durchgeführt. Entsprechend gliedert sich jede Sitzung zu etwa der Hälfte der Zeit in eine Gesprächsrunde und in einen bewegungstherapeutischen Teil. Wichtige inhaltliche Schwerpunkte der Gruppen bilden die gegenseitige Informationsvermittlung und Erfahrungsaustausch, Reflexion der individuellen Krankheitsgeschichten, des Umgangs mit den Schmerzen und eigenen Veränderungsmöglichkeiten. Im bewegungstherapeutischen Teil der Gruppe werden Sie die Feldenkrais-Methode kennenlernen. Bei dieser Methode wird mit vielfältigen Bewegungen experimentiert, um Ihre bewußte Wahrnehmung zu schulen. Ziel ist unter anderem auch das Erkennen von Funktionszusammenhängen, um vorhandene Fähigkeiten besser zu nutzen und bisher ungenutzte Möglichkeiten zu entdecken, um das Bewegungsrepertoire zu erweitern.

Psychotherapie: Es mag Ihnen zunächst befremdlich vorkommen, im Zusammenhang mit Ihrer Erkrankung an Psychotherapie zu denken, leiden Sie doch vor allem unter Schmerzen. Dennoch möchten wir an dieser Stelle erläutern, warum eine Psychotherapie gegebenenfalls sehr hilfreich sein kann: Hinsichtlich einer Psychotherapie sind zwei Ziele wichtig. Einerseits ist es für die meisten Patienten nützlich, in ihrer aktuellen Lebenssituation auf Belastungen, Überlastungen, Spannungen und Stress zu achten und mit Hilfe des Therapeuten zu lernen, ganz bewußt dagegenzusteuern. Andererseits kann es, wie oben schon erwähnt, für die Patienten außerordentlich hilfreich sein, die eigene Lebensgeschichte im Rahmen einer Therapie aufzuarbeiten, um auch den psychischen Anteil an der Entstehung oder Aufrechterhaltung der Erkrankung zu erkennen und damit die Verbesserungschancen zu optimieren.

Medikamente
Einfache Schmerzmittel:
Paracetamol (Paracetamol)
Aspirin (Acetylsalicysäure)

Verschreibungspflichtige Schmerzmittel:

Morphine (Morphium)
Novalgin (Metamizol)
Ibuprofen (Ibuprofen)
Katadolon (Flupirtin)
Tramal (Tramadol)
Tilidin (Tilidin/Naloxon)
Muskelrelaxantien:
Mydocalm (Tolperison)
Tetrazepam (Tetrazepan)
Lioresal (Baclofen)
Ortoton (Methocarbamol)

Antidepressiva:

Saroten (Amitriptylin)
Stangyl (Trimipramin)
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer:
Aurorix (Moclobemid)
Zoloft (Sertralin)
Fluctin (Fluoxetin)
Cipramil (Citalopran)

Lokalanästhetika/Neuraltherapien:

Procain
Lidocain